The Story


Eine lose Aneinanderreihung von Wörtern, die in irgendeinem Paralleluniversum vielleicht Sinn machen könnte.
Written by Jul herself.


Als Edgar den Raum betrat, verschwanden gerade noch die drei betrunkenen Elefanten und hofften, er hätte sie nicht gesehen. Edgar wusste, dass der Rum im Lagerraum war und die Dickhäuter ebenfalls, doch er war zu erschöpft um sie zusammenzustauchen. Ein langer anstrengender Tag lag hinter ihm. Wieder einmal hat er die Welt und die Menschheit davor bewahrt, ausgelöscht zu werden. Er nahm sich eine russische Teigtasche aus dem kaputten Kühlschrank, den ihm seine Oma geschenkt hatte, bevor sie im Lotto gewann und auf die Bahamas auswanderte um dort einen Stripclub zu betreiben, und setzte sich vor die Mikrowelle.
Sein allabendlicher Krimi war leider schon fast vorbei. Samson winkte nur noch müde in dir Kamera und Edgar schaltete zu den Nachrichten. "Na toll. Wieder einmal habe ich die Welt gerettet und niemand berichtet darüber.", dachte er sich ärgerlich und aß den letzten Bissen seines Koteletts.
"Ich bin 'Hilarious Edgar', der letzte echte Superheld der Welt! Nur weiß das leider niemand!"
Er schaltete das Gerät aus und ging hinüber zum Schlafzimmer. "Toll, jetzt tanzen die Elefanten auch noch Polka."
Gerade, als er die Bettdecke aufschlug, und seinen hautengen und glitzernden Superherodress von seinem durchtrainierten Körper entfernt hatte, klingelte es an der Haustür.
"Wer kann das nur sein so spät?", fragte er sich leise und schnappte sich die Rohrzange, während er nervös zur Tür schlich.

Er umfasste die kalte Messingklinke und öffnete langsam die Tür - immer bereit jeden Moment zuschlagen zu müssen. Als die Tür bereits halb offen war, konnte er erkennen, was sich davor befand: Das lilafurzgeblümte Sofa des Todes!! Der Überbringer dieses tödlichen werkzeuges erblickte ihn.
In diesem Augenblick ertönte ein gellender Schrei durchs gesamte mehrstöckige Haus, der selbst die tauben Nachbarn, die gerade WDR4 lauschten, vor Schauder erzittern ließ.
Das nächste was Edgar mitbekam, war, dass der Lieferdienstmann hektisch den langen Flur zur Treppe herunter lief, das poltern der genau 29 Treppenstufen abwärts und das darauffolgende Knirschen eines Basis-Schädelbruchs.
"Hm, vielleicht hätte ich mir was anziehen sollen.. schon wieder einer, der den Anblick meines Astralkörpers nicht verkraftet.. oh, aber Moment: Ich habe meine giftversprühende 3. Brustwarze nicht abgestellt!.. scheiße.. das gibt wieder Ärger mit dem Hausmeister..."
Er betrachtete sich das Sofa genauer und was er sah, erschreckte ihn noch mehr als dieses teuflische Möbelstück vor seiner Tür zu haben: Auf dem Sofa saß das gruseligste Wesen der ganzen Stadt:
"Hallo, Oma!.. Schön dich zusehen!.."
"Haalloooo, mein Kätzchentätzchen! Lass dich knuddedidudellen!!"
"Oma, was machst du mit dem lilafurzgeblümten Sofa des Todes?"
"Dich retten, mein Kätzchentätzchen, dich retten!..."

Es stellte sich heraus, dass Edgars Oma wegen eines Drogendeliktes und exessiven Boschens von den Bahamas verwiesen wurde und nun eine Wohnung brauchte. Sie und ihr grüner schleimiger und verwarzter Frosch Ottokar hatten vor, bei ihm einzuziehen. Die Couch hatten sie von einem Straßenhändler im Rotlichtmillieu gegen die alte Kläranlage und ein dreckiges Handtuch eingetauscht.
Die Hawaiiparty musste sie auch sausen lassen.
Doch der Zeitpunkt passte Edgar gut, denn er hatte sich gerade von seiner Freundin getrennt, weil diese sich die Haare abschneiden ließ und ihm dann erklärt hatte, sie sei in Wirklichkeit ein Mann. Die 4 gemeinsamen Kinder hatte sie auch mitgenommen. Endlich hatte Edgar mit seiner Oma wieder jemanden, der putzte.
Doch seine Freude hielt nicht lange an: Als er gerade den Frosch in die Friteuse werfen wollte, fiel ihm plötzlich etwas ein: Heute war Freitag! Das hatte er ganz vergessen! Er schaute auf die Uhr: Wenn er sich beeilte, könnte er es noch schaffen! Er zog sich schnell eine Socke über und rannte runter auf die dichtbefahrene Straße...

An einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit:
Falbella, die große dunkelhaarige Schönheit, schlachtete ein Mastschwein. Ihre topmodische Kleidung war mit dunkelroten Tropfen überseht und der Schweiß rann ihr vom Hals über den Arm hinunter zu ihrer Hand in der sie das Hackebeil hielt. Der blutige Kadaver lag vor ihr. Noch etwas warm, reglos. Tot.
Leise flüsterte sie zu dem Tier:
"Tschüß, Dzeni! Du warst mein Lieblings Mastschwein. Aber entschuldige: Ich stehe nunmal höher in der Nahrungskette..."
In diesem Augenblick hörte Falbella die dumpfen lauten Schritte der vorüberziehenden Elefantenherde. Die Gnus und die Anthilopen wurden auch von der großen Gruppe aufgewühlt.
Falbella schritt langsam und bedächtig aus der Strohhütte auf die Almwiese, ließ das Beil einfach auf den Boden fallen, rannte hinüber zum UFO-Landeplatz und fing an schrecklich zu weinen.
"SCHNITT!"
Der Regisseur war unzufrieden: "Hey! Was war denn das für ne rührselige Scheiße? Wir drehen hier eine Pseudo-Dokumentation über Aasfliegen und du fängst an zu flennen? Meine Fresse, wo bin ich denn hier? Da kann ich doch gleich mit nen Schachbrett drehen!"
"Sorry, aber das Schwein hat mich an meine vermisste Stiefschwester Inge erinnert! Sie ward seit Tagen nicht gesehen seit sie in den falschen Aufzug eines Modegeschäfts gestiegen ist..!", entschuldigte sich Falbella.
"Hää..??? Hast du was gesagt? Ich hör dir nicht zu, ich habe gerade eine Nachricht erhalten: Lord Gnorkel Borkel will die Weltherrschaft an sich reißen!"
- "Ach du scheiße!", dachte sich Falbella, verließ unter dem Vorwand, sich ein Kochbuch für gedünstete Rohkost durchlesen zu wollen das Set und schlüpfte in ihr blau-weißes Kleidchen. Sie begann sich plötzlich rasant schnell zu drehen, ihre Augen sahen aus wie bei einer schlechten japanischen Trickserie und dann war ihre Verwandlung zu Ende: Nun ist sie !Falbella!, Superheldin, Philharmonie-Dirigentin und ehemalige Misses Hippie!
"So, Lord Gnorkel Borkel! Ich mach dich so fertig wie eine verdammte durchgebummste Bambusratte! Ich verwette meinen Arsch drauf, dass ich dich kriege, denn ich weiß wo du bist! ... "

!Falbella! landete sanft auf ihren behighheelten Füßen und schnitt die Fallschirmschnüre mit ihren Springmesser durch. Zielstrebigen Schrittes tappselte in die "Schurk & Böse" - Bar, stieß die hölzerne Sallon-Schwingtür auf und fand sich in einem verrauchten kleinen Raum wieder. Durch die grauen Schwaden hindurch sah sie nur die kontinuierlich aufleuchtenden Zigarettenenden der etwa 15 Besucher dieser Kneipe - allesamt waren sie Schwerverbrecher.
"Hey Bernie! Einen Whiskey-Cola mit Eis", rief sie, während sie ihr Pistolenholster zurechtrückte. "Klar, mein Zuckerstückchen!", antwortete der dreckige, nach Schweiß riechende Mann hinter der Theke und gab ihr eine Tüte Milch.
"Hat hier jemand von euch Informationen für mich? Ich suche Lord Gnorkel Borkel, er ist aus dem Gefängnis ausgebrochen und.."
Doch weiter kam !Falbella! nicht, sie wurde durch Schreie der Männer unterbrochen: "Was?? Er ist ausgebrochen?" "Himmel! Nein!!" "Jesus Christus! Erlöse uns!"
Und schon bald hatten die harten Männer fluchtartig den Pub verlassen.
!Falbella! fand sich alleine mit Betty, der Hausdame, wie sie sich selbst nannte, am Tresen wieder. Bis eben hatte sie dort noch leichtbekleidet getanzt während sie für ihre Enkel warme Winterpullover mit Engeln darauf strickte. Ihre rauchige Stimme durchdrang den leeren Raum: "Mädchen, ich weiß wonach du suchst. Aber ich muss dich warnen! Es wird nicht so einfach wie letztes Mal, als du einfach Gnorkel Borkel's Plan aus dem Internet erfahren hast! Ich weß nur, dass er etwas in der Stadt plant. Ich gebe dir hier meinen Glücksbringer, das Gebiss, dass ich letzte Woche bei e-bay ersteigert habe! Pass auf dich auf!"
"Natürlich, Mama!", sagte die Superheldin während sie sich den Glücksbringer um den Hals hing, "Aber ich muss jetzt los: Meine Schwimmflügel müssen aufgeblasen werden! Also bis bald!", sagte sie, küsste Betty auf ihre verkrustete alte Wange. Die alte Frau verschwand breitbeinig in einen Hinterraum und !Falbella! verließ saltoschlagend die völlig leere Großraumdisco. Sie war auf dem Weg nach Botoxcity. Denn nur dort konnte Lord Gnorkel seine unheimlich blutrünstig bösen Pläne verfolgen. Und !Falbella! wusste, dass ihr nur ein Mensch auf dieser Welt helfen könnte seine Pläne zu vereiteln.

Edgars Handy klingelte gerade als er in der U-Bahn saß. Den "Subways"-Klingelton hatte er passenderweise gestern erst runtergeladen. Eine altbekannte Stimme begrüßte ihn durch den Hörer hinweg:
"Hi Eddi, hier is Falbella! Heute 3 Uhr am Tierheim!"
"Nacht und Nebelaktion. Alles klar.", antwortete Edgar und legte auf.
Nervös sah er sich in seiner Zugkabine um: Der alte Mann neben ihm versuchte kontinuierlich sein Gebiss herumzudrehen und den Mund dabei geschlossen zu halten. Ihm gegenüber saß ein Pärchen, dass sich, während es sich gegenseitig die Mandeln untersuchte, ein Boogie-Woogie-Tanzbuch durchlas. War irgendwas verdächtig? Benahm sich jemand merkwürdig? Eigentlich nicht, dachte er. Doch dann fiel ihm etwas auf:
Der orientalisch aussehende Fahrgast mit dem Kopftuch und dem großen Koffer, der gerade an ihm vorbeigegangen war, machte ihn stutzig. Waren es die Stromkabel, die aus seiner Jackentaschen ragten, oder die Koranschrift in seinen Händen? Edgar überlegte fieberhaft, der Mann war bereits weiter gegangen.
Plötzlich machte es 'Klick!' bei Edgar und er sprang alarmiert auf, schubbste den alten Mann neben sich zur Seite, der daraufhin seine gesamte Oberzahnreihe verschluckte und schrie dem orientalischen Mann mit der Propangasflasche im Handtäschchen hinterher:
"HEY! Bleiben Sie stehen! HEEEY!!"
Doch er hörte ihn nicht. Nach einem gefährlichen Sprung über diverse Sitzreihen, einem gewagten Sprint, bei dem er einen Kinderwagen aus dem Fenster werfen musste um vorbeizukommen und einem kurzen Flirt mit der sexy Schaffnerin, war der Mann endlich in Reichweite: "Hey! Entschuldigung! Warten Sie!"
Erschrocken blickte der Mann sich mit zitternden Händen und nervös zuckenden Augenbrauen um.
"Entschuldigung ", Edgar rang nach Luft, "aber ihr rechter Schuh ist offen!"
"Mach much allah allah!", oder so, antwortete der Fremde, machte eine Schleife in seinen Schuh und ging weiter. Edgar schlenderte zufrieden zurück zu seinem Platz, plauderte noch etwas mit der Giraffe über die aktuellen aserbaidschanischen wirtschaftspolitischen Eingriffe und stieg bei der nächsten Bushaltestelle aus.

Nach der kurzen Besprechung vor dem Tierheim gingen Edgar und !Falbella! wieder getrennte Wege - nicht ohne sich zuvor erstmal einen Wiedersehensschnaps gegönnt zu haben, versteht sich.
Während Edgar sich sein Superhero-Regencape aus dem Schrank suchte, ritt !Falbella! auf ihrem Super-Emu Vladimir in den Süden der Stadt, wo sich das Bösewicht-Hauptquartier-Zentralverwaltungszentrum befand. Dort angekommen, zückte sie ihre Mitgliedskarte, drehte ein paar Runden in der lustigen Drehtür und fragte am Schalter nach Lord Gnorkel-Borkels Geheimversteck. Die freundliche Bedienung beschrieb den Weg ausführlichst und drucjte sogar noch die Wegbeschreibung aus. Nachdem sich unsere Superheldin dann auch noch einen Stempel auf ihre Karte geben lassen hat, mit der sie mit dem 30. Stempel eine Kalaschnikov geschenkt bekommen würde, ritt sie los auf ihrem treuen Super-Gnu Vassilev, um dem finsteren Lord einen Strich durch die Rechnung zu ziehen.

Zur gleichen Zeit an einem gaaaanz anderen, dunkelen Ort:
Ein kleiner, extrem fetter Mann lag mit seinem Bauch auf einem violettbepunkteten Gymnastikball. Der Ball sah aus wie eine Halbkugel, denn eine riesige Fettschicht verdeckte die Sicht auf die obere Hälfte. Die kurzen Arme wedelten hilflos so in der Luft, als würde eine auf dem Rücken liegende Schildkröte versuchen wollen ihre Stricknadeln wieder aufzuheben.
So ging dies eine Weile weiter, bis auf einmal ein extrem lauter Knall ertönte. Das Lachen mehrerer schriller Stimmen war zu hören, auch das Pfeifen eines Wasserkessels und das ganze Gebäude erzitterte wie eine wild gewordene, komplett mit neuen Batterien ausgestattete Vibratorensammlung.
Jedoch nicht etwa der violettbepunktete Gymnastikball platzte, sondern der türkisgrüne Latex-Aerobicanzug des seltsamen Mannes.
Der nur noch halb bekleidete Fettwanst erhob sich mühsam. Als er endlich stand, fasste er sich mit seinen geschwollenen Händen immer wieder zwischen die ihm an Bauch herunterhängenden Fettschichten, durchforstete seine schwabbeligen Fettnischen nach irgendetwas.
Plötzlich zog er etwas Kleines, Blaues, Schleimiges und Krabbeliges aus der 14. Ritze zwischen seiner linken Wade und seines Knöchels:
"Verdammt, die hab ich schon gesucht!"
Und sofort warf er sich dieses Ding in den Mund, schluckte nicht mal, es war sofort weg.
Die Tür des Raumes ging auf und warf Licht in das Zimmer.
Die im Hintergrund stehenden Glasbehälter mit den menschlichen Organen schimmerten grünlich, die von der Decke hängende tote Jungfrau mit der Kerze zwischen Zähnen war zu erkennen.
Das dicke Geschöpf drehte das wurstige, vernarbte und blutige Gesicht in Richtung Tür, man sah einen verfaulten Zahn aus seinem Mund fallen.
Eine Person stand in der Tür. Groß, kräftig, zielstrebig. Selbstsicher stützte sie die Arme in die Hüften.
War es dieser Person klar, dass sie es mit einem ekelhaften Monster zu tun hat, das sich in diesem Zimmer befindet?
Nur ein falscher Satz und sie würde von den Fettmassen dieses bombigen Wesens zerquetscht werden!
Dann kam der ALLES entscheidende Satz. Nun war alles vorbei. Völlig zweifellos und mutig, erklang das Unfassbare:
"Zimmerservice, Herr Gnorkelborkel!"


...